Artikel unserer Experten

Autoren: Norbert Nitsche, Michael Brandl

Das Pokémon-Phänomen

Zum Wort: Der Name Pokémon ist die sprachliche Verbindung von Pocket + Monster.

Geschaffen wurden die Pocketmonster von dem heute 34-jährigen japanischen Comiczeichner und Hobbyinsektenforscher Satoshi Tajiri. Ursprünglich handelte es sich bei den Pokémons um ein von Tajiri entwickeltes Gameboy-Spiel, das 1995 auf den japanischen Markt kam und bereits 1996 in Europa erhältlich war. Von Kritikern wurde die Idee trotz dieser großen Verbreitung als langweilig und uninteressant eingestuft. Fachleute von Nintendo dachten ernsthaft über ein Auslaufen der Pokémon-Serie nach, als 1998 der eigentliche Pokémon-Boom einsetzte.

Heute ist das Pokémon-Marketingkonzept weltumspannend ausgelegt und findet überall seine Anhänger.

Die Zielgruppe dieser in sich perfekten Marktstrategie liegt bei den 6-12 jährigen Kindern. Die Hersteller überschlagen sich förmlich mit ständigen Meldungen über Verkaufsrekorde:

  • Verkauf von über 50 Millionen Sammelkarten in Deutschland
  • 200.000 Gameboy-Spiele der neuen Edition innerhalb von 6 Wochen in Österreich
  • 2,5 Millionen dieser Gameboy-Spiele in Deutschland innerhalb von 4 Wochen.

Wir als Eltern und Erzieher kommen nicht darum herum, die Welt der kleinen Monster wahrzunehmen. Für viele Kinder ist sie ein fester Bestandteil ihrer Phantasie geworden.

Dennoch sollten wir uns auf keinen Fall völlig unkritisch auf die Pokémons im Gespräch mit unseren Kindern einlassen und diese nicht ohne angebrachte Kritik akzeptieren.

Bedenken erheben wir vor allem vor der erhöhten Manipulierbarkeit der Kinder: In den Geschichten werden Konflikte nicht selber gelöst, sondern man lässt (zum Kampf) 'antreten'. Die Folgen, wie Kinder mit dieser Form von Konfliktbearbeitung langfristig umgehen, ist nicht abschätzbar. Erste alarmierende Beispiele aus den USA werden in einem Artikel des 'Spiegels' in seiner Ausgabe 15/2000 drastisch aufgezeigt.

Erwartungsgemäß wird die Welle der Pokémons mittelfristig wieder abebben. Neue Produkte werden diese wieder ablösen und zu einer neuen Wellenbewegung und entsprechenden neuen Verkaufsrekorden führen.

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zum Seitenanfang Seite erstellt am 24.5.2000
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