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Vom Power-Ranger zum Holzspielzeug - Umweltfreundlichkeit kleingeschrieben?

Kinderspiel und Spielzeug befinden sich im Wandel. Was vor wenigen Jahrzehnten noch undenkbar oder unerschwinglich war - heute finden wir es in fast jedem Kinderzimmer: elektronisch gesteuerte, selbst fahrende futuristische Fahrzeuge oder Roboterfiguren. Sie heißen Mutator, Thunder falcon, Dagger, Turbo drugsteroder Thunder tiger und sind erhältlich im power set mit Allradantrieb, Sirenensound, Servolenkung. Auch bei Lego gibt es längst nicht mehr nur Bausteine: Von der Ritterfigur zum Fort Legoredo, von der Raumstation, Lego-Polizei-Off-Roader über den Time Cruisers Grusel-Expreß findet jedes Kind die zur richtigen Fernseh- oder Videoserie passenden Fahrzeuge oder Spielfiguren. Auch für kleine Mädchen bieten alle großen Hersteller eine heile, rosa Barbiewelt mit Technoküche und Beauty-Studio. Nichtsdestotrotz hat auch Holzspielzeug wieder Hochkonjunktur, vom Holztraktor über den Holzbaukasten, vom Holzpuzzle bis zum Holztretroller findet auch der Holzliebhaber ein reichhaltiges Angebot. Doch wie sieht es mit der Umweltfreundlichkeit des Spielzeugs aus? Holzspielzeug wird gemeinhin als umweltfreundlich angesehen, da Holz ja ein nachwachsender Rohstoff ist und auch als ungiftig gilt. Leider ist diese Sichtweise zu einfach und in manchen Fällen sogar falsch!

Bei näherem Hinsehen entpuppen sich viele Holzspielzeuge sogar als Problem:

  • Rohmaterial Tropenholz aus Raubbau am Regenwald
  • Rohmaterial mit Pestiziden behandelt
  • Oberflächbehandlung mit problematischen Lacken, die zu Schadstoffemissionen führen
  • Verwendung ungeeigneter Leime, die z.B. Formaldehyd emittieren
  • unsaubere Verarbeitung, hervorstehende spitze Teile, scharfe Kanten und Ecken etc.
  • wegen der Oberflächenbehandlung kein Recycling oder Verwertung als Brennmaterial im eigenen Ofen möglich.

Also Holzfiguren und Holzfahrzeuge ade? Sind Kunststoffspielzeuge besser und wie sieht es mit Metallspielzeugen aus? Eine sehr differenzierte Betrachtungsweise ist angebracht: Umwelt- und gesundheitsverträgliches Spielzeug muß - unabhängig von den verwendeten Materialien - folgende Kriterien erfüllen:

  • Verwendung nachhaltig erzeugter Rohstoffe (möglichst nachwachsende Rohstoffe
  • Verwendung möglichst langlebiger und reparabler Materialien und Konstruktionen
  • Minimierung einer Gesundheitsgefährdung durch Verwendung schadstoffarmer Materialien
  • Beachtung von Sicherheitsrichtlinien und Normen (Gerätesicherheitsgesetz und europäische Spielzeugnorm EN 71)
  • Leichte Entsorgbarkeit durch Verwendung recycelbarer Materialien und Konstruktionen.

Leider stehen beim Spielzeug - wie bei anderen Verbrauchsgütern auch - solche Kriterien oft im Widerspruch zu den Marketinganforderungen der Hersteller und Vertreiber wie auch zum Verhalten der Verbraucher. Unter Umweltgesichtspunkten, aber auch aus spielpädagogischen Gründen ist ein funkgesteuertes, über Lautsprecher Fahrgeräusche abgebendes, selbstfahrendes Elektroauto für ein 4jähriges Kind völliger Unsinn. Das Fahrzeug besteht in Karosserie, Fahrwerk und Innenleben aus einem nicht gekennzeichneten Kunststoffmix (APS, PF, PP, PVC, PSB u.a.), Metallteilen und einer von den Materialien völlig unübersichtlichen Elektronik, in der Entsorgung problematischen Batterien oder Cadmiumhaltigen Akkus. Eine entsorgungsgerechte Teiletrennung ist von der Konstruktion her weder vorgesehen noch möglich. Der Spielwert für einen 4jährigen strebt gegen Null, das Fahrzeug liegt mit Sicherheit nach kurzer Begeisterung in der Ecke, Batterien und Kontakte korrodieren vor sich hin. Wenn das Kind in einem Alter ist, in dem es von seiner Entwicklung her mit diesem Spielzeug etwas anfangen könnte, ist das Fahrzeug entweder nicht mehr fahrtauglich oder wesentliche Teile wie die Fernbedienung sind defekt oder abhandengekommen. Ein Fall für die Mülltonne! Doch Vorsicht, auch das altersgerechte Holzpuzzle kann trotz CE-Zeichen Gefahren bergen: sowohl in Einzelhandelsgeschäften wie auch auf Märkten werden Billig-Sperrholzpuzzles aus Fernost verkauft. Sie weisen nicht nur verletzungsträchtige sägerauhe Kanten auf, sondern gasen zudem giftigen Formaldehyd in Mengen aus, die den zulässigen Wert gleich um das 30fache überschreiten. Aber, wo kein Kläger, da kein Richter!

Was also tun?

  • Kaufen Sie altersgerecht, achten Sie auf die Altersangaben auf den Spielzeugpackungen
  • Achten Sie schon beim Kauf auf die Reparaturfreundlichkeit von Spielzeugen
  • Achten Sie auf Quatitätsspielzeug
  • Kaufen Sie kein übermäßig verpacktes Spielzeug
  • Kaufen Sie bei Batteriespielzeug nur Ware, deren Batterien leicht zugänglich sind bzw. durch wiederaufladbare Akkus betrieben werden kann
  • Empfehlenswertes Spielzeug ist mit dem roten spiel gut Punkt gekennzeichnet, einen ausführlichen Einkaufskatalog hält der Arbeitsausschuß spiel gut für Sie bereit.

International site: www.spielgut.org
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